Nachdem jetzt schon fast alle Besucher des Essener Treffens ihre Meinung über die Regelergänzung und den Ablauf der Rennen bzw. des Treffens geäußert haben, möchte auch ich jetzt mal meinen Senf dazu abgeben. Als langjähriger Teilnehmer erlaube ich mir das einfach mal, obwohl ich nur noch selten GO/SCX-Fahrzeuge mit Magnet fahre.
Zunächst zum eigentlichen Punkt dieses Threads, dem Wiegen der Fahrzeuge. Wer das Wiegen durchführt, wäre mir eigentlich schnuppe, solange es neutral geschieht. Als ernsthafter Teilnehmer der F1 Meisterschaft würde mich der Zeitaufwand auch nicht stören. Wem das F1 Rennen wichtig ist, der bereitet sich entsprechend vor und dazu gehört auch die rechtzeitige Abnahme. Diese sollte allerdings nachvollziehbar und reproduzierbar sein - damit ergibt sich fast automatisch, dass es nicht so lange dauert. Ein unendliches drehen der Hinterachse muss nicht sein – ein Überschreiten der Downforce um 2g bringt auch bei Magnetfahrzeugen nicht den entscheidenden Vorteil. Als kleinen Vergleich möchte ich die Verfahrensweise aus einigen Renncentern heranziehen. Dort geht es meist darum, dass die Fahrzeuge innerhalb definierter Gewichtsspannen liegen (z.B. 85-100g oder mindestens 175g). Wer da mal ein Gramm daneben liegt, bekommt ein „du du du“ zu hören und gut. Wenn die Abweichungen größer sind oder andere Regelpunkte nicht eingehalten wurden, dann darf der Fahrer mit seinem Fahrzeug am Rennen teilnehmen, kommt aber nicht mit in die offizielle Wertung. So kann der Fahrer mitfahren, weiß aber, dass er zum nächsten Rennen etwas ändern muss. Ein unverändertes Fahrzeug, das beim Treffen in X im Limit war, sollte auch beim Treffen in Y und Z im Limit sein, zumal der Magnet meist noch mit Kleber fixiert wurde. Da die Waagen aber alles Einzelstücke sind und leider keine identischen Werte anzeigen, müssten die Waagen aller Veranstalter (das sind ja nicht so viele) einfach mal mit ein paar Vergleichsfahrzeugen miteinander verglichen werden. Danach sollte es relativ einfach sein, den „Wiegewahnsinn“ etwas zu entschärfen.
Jetzt ein paar Worte zu dem in Essen praktizierten Rennmodus. Das Fahren in Gruppen begrüße ich sehr, wenn es denn seinen Zweck erfüllt, nämlich den Rennablauf zu vereinfachen und zu beschleunigen. Im Renncentermodus und damit ungeübten oder sehr unterschlich starken Fahrern, erfüllt das, meiner Meinung nach, aber nicht seinen Zweck und fördert mehr die Verwirrung. Dies ist bei Kinderrennen und auch bei allen anderen Rennen bei so einem GO-Treffen aber immer der Fall, denn fast niemand fährt diesen Modus öfter. Mal abgesehen davon, muss die Strecke für diesen Modus zwingend eine Einteilung der Teilabschnitte haben, ohne die man nach dem letzten Lauf jeder Gruppe überhaupt nicht feststellen kann, wie viele Runden die Fahrer genau gefahren sind (z.B. 86,5 oder 86,56). Ich würde bei solchen Treffen immer Rennen in Gruppen und im F1-Modus empfehlen, das geht am schnellsten. Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass die Dots immer an Start/Ziel verbleiben und dort von den Fahrern umgeklebt werden können. Um den gewollten Effekt der Vereinfachung und Beschleunigung bei einer Gruppeneinteilung wirklich zu bekommen, ist aber noch eine weitere Maßnahme sinnvoll: die gerade fertig gefahrene Fahrer stellen die Einsetzer für die nächste Gruppe. Bei der ersten Gruppe stellen die Fahrer der letzten Gruppe die Einsetzer. So hat jeder Fahrer seinen Einsatz als Fahrer und Einsetzer. Niemand wird sich erfahrungsgemäß um diese Pflicht drücken. Bei Kinderrennen würde ich weiter den F1-Modus ohne Gruppeneinteilung empfehlen, da die kids mit solchen Sachen wenig anfangen können (sie wollen über Start/Ziel fahren) und bald keine Einsetzer/Zuschauer mehr zur Verfügung stehen, wie das Rennen in Essen anscheinend gezeigt hat. Ich finde es aber trotzdem toll, dass die Veranstalter mal etwas anderes ausprobiert haben – es muss ja nicht immer alles so klappen wie man sich das vorgestellt hat.
Die Spuranzahl 6 anstatt von 4 finde ich grundsätzlich gut, wenn der Veranstalter das technisch hinbekommt. Das fördert die Konkurrenz, denn eine versaute Spur macht noch nicht so schnell das ganze Rennen zunichte. Außerdem ist es immer schöner, wenn man ein paar Minuten länger fahren darf, wenn man schon so eine meist lange Anreise dafür auf sich genommen hat.
Rennen mit gestellten Fahrzeugen finde ich grundsätzlich gut. Damit zeigt sich der wirklich gute Fahrer. Die F1 Meisterschaft mit gestellten Fahrzeugen zu fahren, würde ich nicht so toll finden, denn das Basteln gehört bei vielen einfach dazu. Schön wäre es, wenn ein paar Leihfahrzeuge zur Verfügung stehen würden, damit auch Besucher zum mitmachen animiert werden, die sich kein F1-Fahrzeug neuer Bauart zulegen möchten (für Leute wie mich), oder die meinen, ihre F1er wären viel zu langsam zum mitfahren (für neue oder gelegentliche Besucher). So etwas festzuschreiben ist aber wohl nicht nötig, denn wenn ich in Essen hätte mitfahren wollen, hätte ich garantiert jemanden gefunden, der mir ein passenden Fahrzeug für das Rennen ausleiht. Ansonsten fand ich die bisherige Mischung mit eigenen Fahrzeugen (F1, Freestyle, DTM, Nachtrenner) und gestellten Fahrzeugen (Disney, diverse SCX, usw.) eigentlich immer passend und interessant. In Waldkappel habe ich so ziemlich jedes Rennen mitgefahren und hatte fast überall meinen Spaß.
Noch ein paar Worte zum Ablauf der Treffen. Ich persönlich würde einen Zeitplan sehr begrüßen. Der macht aber auch nur Sinn, wenn versucht wird, sich daran zu halten. Dazu müssten die Rennen aber ein wenig geordneter ablaufen, was oftmals leider nicht der Fall ist. Den geordneten Ablauf jetzt bitte nicht mit Gehetze verwechseln, denn das bewirkt das Gegenteil. Ein geordneter Ablauf ist auch immer viel entspannter für die Fahrer als ein ungeordneter. Das kommt nicht nur dem Zeitplan entgegen, sondern eben auch der Ruhe und dem Spaß im Fahrerfeld. Vielleicht wäre es auch mal eine Idee, das Fahrerfeld in 2 Gruppen (bei einer Bahn) oder 3 Gruppen (bei 2 Bahnen) einzuteilen. Dann hätte immer eine Gruppe frei und könnte den anderen beiden Gruppen entspannt zusehen oder einfach mal Pause machen und schnacken.
Was die Zusammensetzung der Gruppen, die manche hier schon als Lager bezeichnet haben, angeht, kann ich nur mich sprechen. Ich suche mir als Tagesgast immer die Gruppe aus, die zuerst SMC fährt, da sich das ganze doch sehr hinzieht und ich in der Regel vor dem Ende der 2. Gruppe schon wieder auf dem Rückweg bin. Ich weiß nicht ob es Zufall ist, dass in dieser Gruppe die meisten Fahrer sind, die sich hauptsächlich für das SMC Rennen interessieren. Als ambitionierter Fahrer würde ich ansonsten lieber in der 2. Gruppe starten, denn dann ist die Bahn viel sauberer als bei der 1. Gruppe – und das kann schon mal eine Runde oder eine Sekunde Restzeit ausmachen.
Ich sehe allerdings auch, das sich das Fahrerlager immer mehr in diejenigen unterteilt, die jetzt hauptsächlich ohne Magnet fahren (SMC, 1:32er etc.) und diejenigen, die hauptsächlich mit Magnet fahren (GO, SCX). Das spiegelt eine ganz normale Weiterentwicklung wider und ich selber bin ja selber nicht ganz unschuldig daran. Vielleicht sollte man einfach mal über einen Schnitt nachdenken und diese Treffen/Rennen ab und zu voneinander trennen. Beides hat seine Fans und was spricht dagegen, wenn die Treffen wieder etwas kleiner und überschaubarer werden. Ich persönlich genieße die kleineren Treffen immer sehr, egal, ob sie in Duisburg, Bremen, Hude oder sonst wo sind. Bei einer überschaubaren Gruppe von 12-20 Fahrern macht das slotten einfach mehr Spaß und die Geselligkeit kommt auch nicht zu kurz.
Was die Stimmung in Essen angeht, so kann ich natürlich auch wieder nur für mich sprechen. Da ich nicht so lange da war, habe ich die teilweise kritisierten Punkte überhaupt nicht mehr mitbekommen. Für mich war es ein tolles Treffen, bei dem ich zwar gesundheitlich etwas gehandicapt war, aber trotzdem viel Spaß beim basteln, fahren und schnacken hatte.
Viele Grüße